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Wenn die Scheibe klar ist
Wir können unser Gegenüber wahrnehmen und verstehen, ohne den Kontakt zu uns selbst zu verlieren.
Teilnehmer-Handout
Alice-Salomon-Schule Hannover · 2026
Teilnehmer-Handout zum Workshop „Empathie, Selbstregulation und demokratische Beziehungsgestaltung“ – mit den fünf natürlichen Kompetenzen, dialogischen Übungen und dem Vier-Schritte-Format zur Beziehungskompetenz.
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Mit uns selbst beginnen
Lars Gustafsson beschreibt Beziehungen mit dem Bild einer Glasscheibe. Wenn der Kontakt gut ist, ist die Scheibe klar: Wir können den anderen sehen und bleiben zugleich bei uns. In herausfordernden Begegnungen kann die Scheibe trüb werden – etwa durch Ärger, Unsicherheit, Vorannahmen, frühere Erfahrungen oder sprachliche und kulturelle Missverständnisse.
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Wir können unser Gegenüber wahrnehmen und verstehen, ohne den Kontakt zu uns selbst zu verlieren.
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Der typische Impuls ist, auf der anderen Seite zu putzen: „Du musst anders sprechen. Du musst dich ändern. Du musst verstehen, was ich meine.“
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Warum fällt es mir gerade so schwer, diesen Menschen unter seinen Bedingungen zu sehen? Welche Bewertung ist bereits entstanden? Was brauche ich, um wieder klar und professionell zu handeln?
Das Ziel ist keine vollkommen saubere Scheibe. Ein kleiner klarer Fleck genügt. Vielleicht kann ich dann wieder eine echte Frage stellen, eine Grenze ohne Abwertung formulieren oder einen Moment länger warten, bevor ich reagiere.
Selbstregulation
Selbstregulation heißt nicht, Gefühle wegzumachen. Sie bedeutet, den eigenen Zustand wahrzunehmen und so zu beeinflussen, dass wieder eine Wahl im Handeln möglich wird.
Die drei Ebenen des Workshops
Wir beginnen bei der Selbstregulation, schauen dann auf Beziehungskompetenz und fragen schließlich, was beides mit demokratischer Beziehungsgestaltung zu tun hat. Demokratie zeigt sich auch darin, wie wir mit Unterschiedlichkeit, Widerspruch und Konflikten umgehen.
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Eine Landkarte, keine Checkliste
Empathie, Mitgefühl, Vertrauen und Anerkennung – einschließlich der Fähigkeit, Unterstützung anzunehmen.
Frage: Ist mein Herz noch offen genug, die Person zu sehen?
Lebendig und passend antworten, statt automatisch ein altes Muster zu wiederholen.
Frage: Welche andere Reaktion wäre möglich?
Bemerken, was gerade geschieht, und Gedanken wahrnehmen, ohne sie sofort für Tatsachen zu halten.
Frage: Welche Geschichte erzähle ich mir gerade?
Den Atem nicht erzwingen, sondern als unmittelbare Rückmeldung aus dem gegenwärtigen Moment wahrnehmen.
Frage: Wie atme ich gerade?
Spannung, Unruhe, Wärme, Druck oder den Kontakt zum Boden bemerken.
Frage: Was spüre ich – ohne es sofort ändern zu müssen?
„Natürlich“ meint hier: grundsätzlich angelegte Zugänge. Das Pentagramm ist ein EmS-internes didaktisches Modell und kein aus den unten genannten Wissenschaftsquellen abgeleiteter Wirksamkeitsnachweis.
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Im Schulalltag: ankommen · beruhigen · aktivieren · verbinden
Etwa 4 Minuten · Stuhlvariante
Einladung statt Pflicht: Augen offen lassen, Bewegung verkleinern oder auslassen. Nicht in Schmerz hineingehen.
Je nach Situation auswählen
Regulation bedeutet nicht immer Beruhigung. Manchmal brauchen wir Ruhe, manchmal Bewegung, Verbindung oder Freude.
Sprache der Einladung
Nicht: „Jetzt müsst ihr euch entspannen.“ Sondern: „Probiert aus, welche Bewegung heute angenehm ist.“ Gute Regulation heißt, den eigenen Zustand passend zur Situation beeinflussen zu können.
Es geht nicht darum, junge Menschen ständig herunterzuregulieren.
Zu zweit · etwa 10–14 Minuten
Wählt ein bedeutsames Erlebnis, das sich gut teilen lässt. Person A erzählt drei Minuten. Person B hört zu: ohne Ratschlag, eigene Geschichte oder vorschnelle Einordnung.
Zuhören heißt nicht zustimmen. Perspektivübernahme erkundet die innere Logik eines anderen Menschen. Widerspruch und klare Grenzen bleiben möglich.
Optionaler Übungstimer
Bereit für die Erzählzeit.
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Beziehungskompetenz in herausfordernden Situationen
Beziehungskompetenz nach Helle Jensen
Das pädagogische Handwerk besteht in der Fähigkeit der Fachperson, das einzelne Kind zu seinen eigenen Bedingungen zu sehen und das eigene Verhalten darauf abzustimmen, ohne zugleich die Führung abzugeben.
Die pädagogische Ethik liegt in der vollen Verantwortung der erwachsenen Fachperson für die Qualität der Beziehung.
Paradigmenwechsel
Die Führung bleibt bei der Fachperson. Verändert wird, wie sie ausgeübt wird: klar, persönlich und beziehungsorientiert.
Die Situation zunächst beschreiben, ohne sie zu analysieren. Was ist konkret geschehen? Welche Worte wurden gesagt? Wer hat wie reagiert?
Beobachtung und Bewertung zunächst voneinander unterscheiden.
Was macht die Situation mit mir? Welche Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen sind da? Wie ist mein Kontakt zu Herz, Kreativität, Bewusstsein, Atem und Körper?
Wo konnte ich den Kontakt bewahren und wo habe ich ihn verloren?
Wie könnte die Situation aus der Sicht meines Gegenübers aussehen? Was treibt die Person möglicherweise an? Was fehlt ihr oder welches Bedürfnis wurde nicht gesehen?
Verstehen bedeutet nicht automatisch zustimmen.
Was hätte ich selbst verändern können? Wie kann ich mein Verhalten besser abstimmen und zugleich meine eigene Botschaft authentisch vertreten?
Anerkennen, was ich wahrnehme, und verantwortlich handeln.
Das Vier-Schritte-Modell ist ein EmS-internes Reflexions- und Dialogformat, unter anderem für kollegiale Intervision. Es ist kein Modell der SWK.
Praxisbeispiel Finn
Finn wird in der Gruppenarbeit unruhig, verliert Material und möchte hinaus. Die Lehrkraft spürt Ärger, Hilflosigkeit und den Wunsch, Kontrolle herzustellen.
Nicht vorschnell: „Finn stört schon wieder.“
Erst Selbstkontakt: Was geschieht in mir, wenn ich Kontrolle verliere?
Dann Perspektive: Gruppenarbeit überfordert Finn; Bewegung kann ihm helfen, sich zu regulieren.
„Wir müssen heute in Gruppen arbeiten, und ich weiß, dass du das nicht gern machst. Überlege bitte, was ich tun kann, damit es für dich leichter wird, mitzuarbeiten.“
Empathie ist weder Nachgeben noch falsche Neutralität
Bei menschenfeindlichen oder diskriminierenden Äußerungen ist eine unmittelbare Grenze nötig. Verstehenwollen hebt die Grenze nicht auf.
„Ich stoppe diese Aussage, weil sie Menschen abwertet. Ich möchte zugleich verstehen, was du konkret meinst. Wir schauen uns an, worauf deine Aussage beruht und was sie hier in der Gruppe auslöst.“
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Klein, konkret, beobachtbar
Nicht: „Ab morgen bin ich immer empathisch.“ Sondern etwas, das nächste Woche tatsächlich Platz findet.
Der Eintrag verlässt dieses Gerät nicht.
Referentin & Kontakt
Familien- und Traumatherapeutin
Supervisorin
Referentin für Empathie macht Schule
Fragen zum Workshop oder zu Empathie macht Schule?
info@familienberatung-hamburg.de07
Sauber abgegrenzt
Wissenschaftlicher Bezugsrahmen und EmS-Praxis sind hier bewusst getrennt. Die genannten Studien untersuchen benachbarte Konstrukte und Trainingsformen; sie sind kein direkter Wirksamkeitsnachweis für „Empathie macht Schule“ oder für einzelne Übungen dieses Handouts.
Wissenschaftlicher Bezugsrahmen
Übertragungsgrenze: ReSource-Studien wurden überwiegend mit Erwachsenen durchgeführt. Ergebnisse dürfen nicht ungekennzeichnet auf Schüler:innen oder EmS übertragen werden.
EmS-Praxis & lokale Arbeitsquellen
Einordnung: Diese Modelle und Formate werden als EmS-Praxis beschrieben. Wissenschaftliche Anschlussfähigkeit bedeutet weder Identität mit untersuchten Trainings noch einen Wirksamkeitsbeleg für EmS.